Glasfaser-Ausbau für die Gemeinde Wartau

Im Rahmen der Gemeindeentwicklung wurde das Strategiepapier für die Gemeinde Wartau ausgearbeitet und verabschiedet. Die Stossrichtungen wie die Digitalisierung wurden aufgezeigt: “Die Folgen der Digitalisierung auf eine Gemeinde wie Wartau sind enorm”.
Der Handlungsbedarf das bestehende Telekommunikations-Netz in ein modernes Glasfsernetz weiterzuentwickeln wurden erkannt. Mit dem Projekt “Glas für Wartau” sollen die bestehenden Koaxialkabel mit Glasfasern ersetzt und weiter ausgebaut werden.

Der Zweckverband GAW betreibt das Wartauer Kabelnetz. Sämtliche Dorfkorporationen und die politische Gemeinde Wartau sind die Träger und somit sind die Bürger die Besitzer.

Aktuell sind über das Wartauer Kabelnetz die Dienstleistungen des lokalen Telekommunikationsanbieters Rii Seez Net erhältlich, bei einem Ausbau könnten weitere Anbieter das Netz nutzen und würde den Wartauern eine freie Wahl der gewünschten Produkte bieten.

Um was geht es?

Cloudspeicher, Netflix, Videotelefonie, Homeoffice, hochauflösende Bilder und 8k- Fernsehen – für viele Dienste, die aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken sind, müssen grosse Datenmengen übertragen werden und jährlich nimmt der Datenverkehr auf dem Festnetz um rund 30% zu. Diese Zuwachsraten kann das bestehende Netz nicht mehr dauerhaft stemmen – die Reserven schwinden. Deshalb beabsichtigt die GAW, als führender örtlicher Kabelnetzbetreiber, zusammen mit den Dorfkorporationen, das Kommunikationsnetz im Wartau für die Zukunft technologisch zu modernisieren und dies, bevor Engpässe entstehen.

Investition in der Gemeinde

Mit dieser Investition ist das Wartauer Netz für den Datenverkehr der nächsten 30 Jahre gerüstet. Die GAW ist überzeugt, dass drahtgebundenes Internet auch in Zukunft die sicherste Option für die Kommunikation ist und das Festnetz deshalb eine wichtige Ergänzung zum Mobilfunknetz darstellt. Es gibt keine schnellere Übertragung als jene per Glasfaserkabel. Mit der Glasfaserinfrastruktur ist die Bandbreite grundsätzlich unlimitiert, limitierend ist nur noch Ihr Abo.

Ausgangslage

Im Wartau gibt es momentan zwei Kommunikationsnetze, je eines im Eigentum der GAW und der Swisscom. Über diese Netze werden die Dienstleistungen Internet, Telefonie und TV angeboten, jedoch nur von je einem Anbieter. Auf dem GAW-Netz ist nur das Angebot von Rii Seez Net erhältlich, auf dem Netz der Swisscom nur ihr eigenes. Beide Netze sind eine Mischform aus Glasfaser- und Kupferkabel. Die GAW, wie auch die Swisscom, haben die Netze laufend ausgebaut und dabei Kupfer- durch Glasfaserleitungen ersetzt. Die letzte Meile zum Kunden ist aber bei beiden Netzen hauptsächlich aus Kupfer. Aktuell kann die GAW seinen Kunden bereits ein sehr schnelles Internet bis 1 Gigabit/s anbieten. Ein weiterer grosser Umbau auf dem bestehenden Kupfernetz ist aber nicht sinnvoll, weil dadurch auch alle Gebäudeinstallationen umgebaut werden müssten.

Sicheres, schnelles Internet für die nächsten 30 Jahre

Die GAW will nicht zuwarten bis Engpässe entstehen und deshalb das Glasfasernetz für den grössten Teil des Versorgungsgebietes ausbauen. Damit werden sämtliche, ganzjährig bewohnten Liegenschaften in der Bauzone, mit der Glasfaser erschlossen. Dadurch würde der Grossteil der Gebäude bis zum Gebäudeübergabepunkt mit Glas erschlossen werden – dies ist in der Regel der Hausanschlusskasten. Den Endkunden entstehen dadurch keine Zusatzkosten.

Die GAW als verlässlicher lokaler Netzbetreiber

Andere Kommunikationsanbieter bauen ihr Netz erst dann aus, wenn die Bandbreite nicht mehr ausreicht und bereits über längere Zeit erhebliche Qualitätseinbussen verzeichnet wurden. Die GAW hingegen hat als lokaler Netzbetreiber ein grosses Interesse daran, ein funktionsfähiges Kommunikationsnetz bereitzustellen, um die Attraktivität des Standorts Wartau weiterhin hochzuhalten. Die Glasfasern können durch bestehende Rohranlagen gezogen werden, grossflächige Strassenaufbrüche lassen sich dadurch vermeiden

Die unterschiedlichen Installationsarten

Der grosse Unterschied zwischen den beiden Leitungsarten ist, dass in der Glasfaser die Signale optisch und bei Kupferkabel elektrisch übertragen werden. Kupfer hat den Nachteil, dass es bei längeren Leitungen immer wieder zu Übertragungsfehlern kommt. Je mehr Kupferanteil, desto höher die Fehlerquote. Das zukunftsorientierte Leitungsnetz ist deshalb ein Glasfasernetz. Die Swisscom baut im Wartau ebenfalls ein Glasfasernetz, jedoch nicht bis in die Gebäudeeinheiten, welches so von den Korporationen nicht für die Anwendungen wie zum Beispiel Zähler-Fernauslesung nutzbar ist.

Glasfaser – Technik der Zukunft

Glasfaser ist eine aus Glas bestehende lange und sehr dünne Faser, welche bei hohen Temperaturen mittels Düsenverfahren gewonnen wird. Glasfasern werden u.a. als Lichtwellenleiter zur optischen Datenübertragung verwendet. Dies hat gegenüber elektrischer Übertragung den Vorteil einer erheblich höheren maximalen Bandbreite. Eine Glasfaser hat einen Durchmesser von rund 10 Mikrometer, also etwa 10x weniger als ein menschliches Haar und ist rund 15’000x lichtdurchlässiger als Fensterglas.

    Für die Wartauer Bedürfnisse

    Ein von Drittanbietern unabhängiges Netz hat den Vorteil, dass die Bedürfnisse der Wartauer Bevölkerung berücksichtigt und Investitionen optimal geplant werden können. Die Wertschöpfung und das Knowhow bleiben in der Gemeinde.

    Win-Win-Situation

    Ein ausgebautes Glasfaser-Netz kann für sämtliche Anbieter der Telekommunikations-Branche geöffnet werden, was wiederum eine freie Entscheidung des passenden Produkts für den einzelnen Bezüger ermöglicht und gleichzeitig Einnahmen für den Netzbetrieb generiert.

    Zusammenarbeit mit den Wartauer Organen

    Die GAW gehört den Dorfkorporationen im Wartau sowie der politischen Gemeinde. Aus diesem Grund ist auch die Zusammenarbeit seit Jahren sehr eng. Bis 2027 sollen schweizweit 80 % der bestehenden Stromzähler auf intelligente Messgeräte (Smart Meter) umgestellt werden. Gleichzeitig müssen die bestehenden Rundsteuerungen durch neuere Technologien ersetzt werden, mit denen die Stromversorgung bedarfsgerecht gesteuert werden kann (Smartgrid). Diese Instrumente sind also ebenfalls auf neueste Technologien angewiesen und können ebenfalls das Glasfasernetz zu Anschlusspunkten in den Gebäuden benützen. So entsteht ein Mehrwert für die ganze Gemeinde.

    Zwei Glasfasernetze im Wartau?

    Wie bereits erwähnt, baut die Swisscom ihr bestehendes Glasfasernetz ebenfalls aus. Die technische Beschaffenheit ist jedoch so ausgelegt, dass maximal 3 zusätzliche Grossanbieter auf diesem Netz ihre Dienste anbieten können. Die Anzahl der durch die Swisscom verlegten Glasfasern ist nach ihren eigenen Angaben zu klein, um sämtliche von der GAW benötigten Leitungen und Dienste zu ermöglichen. Deshalb ist es in dieser Konstellation nicht möglich, das Swisscom-Netz für die GAW als lokaler Anbieter mit Rii Seez Net und die Korporationen für Smart-Metering zu nutzen. Zudem baut die Swisscom das Netz nur bis zur Strasse, was wiederum eine Einschränkung der Datenübertragung und gleichzeitig Erhöhung der Fehlerquote nach sich zieht.

    Mehrwert für den Kunden

    Ist das Glasfasernetz ausgebaut, wird die GAW sämtlichen interessierten Providern diskriminierungsfrei den Zugang auf ihr Netz gewähren. Mit dem Netznutzungsentgelt wird das Netz später refinanziert. Kundinnen und Kunden der GAW können weiterhin das Angebot von Rii Seez Net aber auch die Produkte von Sunrise, Salt und weiteren Anbietern nutzen.

    Die Bürgerinnen und Bürger erhalten damit das Kommunikationsnetz der Zukunft und können zwischen diversen Providern wählen.


    Kosten

    Projektplanung / KundenabklärungenCHF 150'000
    Passives NetzCHF 4'210'00
    Aktives NetzCHF 840'000
    TiefbauCHF 510'000
    Ausbau für KollokationCHF 100'000
    Rückbau KoaxnetzCHF 300'000
    ReserveCHF 890'000
    TotalCHF 7'000'000

     

    Finanzierung

    Die GAW benötigt für den Ausbau ein Darlehen von insgesamt CHF 5’000’000, verteilt auf die nächsten 5 Jahre (Mitte 2022 bis Mitte 2027). Die Finanzierung erfolgt durch die vier Elektro- und Wasserkorporationen der Gemeinde. Die restlichen CHF 2’000’000 werden aus eigenen Mitteln finanziert.

    Nutzen

    Nutzen für die Kunden (Privat und Gewerbe)

    • Attraktiv für Home-Office
    • Freie Anbieterwahl
    • Bandbreite praktisch unbeschränkt (Init7 z.B. 10 Gbit/s)
    • Symmetrische Bandbreite
    • Alle Kunden können, unabhängig von der Distanz, gleich hohe Bandbreite haben
      (im Gegensatz zur 2-Draht Telefonleitung)

    Nutzen für die Korporationen

    • Glas in jeder Nutzeinheit für SmartMetering verfügbar, auch bei späterer Umstellung der Fernauslesung von PLC auf Glas
    • Umstellung in kürzerer Zeit möglich
    • Bestehende Rundsteuerung zu Spitzenreduktion kann abgelöst werden
    • Standortattraktivität für Neuansiedlungen steigt (Privat und Gewerbe)
    • Industrie 4.0
    • Kosten für Erneuerung der Fernauslesung mit PLC Variante entfallen
    • (Daten)-Sicherheit vom Netz ist viel höher als andere Varianten

    Nutzen für die GAW

    • Höhere Netzauslastung (bei offenem Netz)
    • Backbone passiv (weniger Elektronik mit Abschreibungsdauer 6 Jahre)
    • Störempfindlichkeit vom Netz ist wesentlich geringer
    • Kein Ingress, weniger Störungen beim Kunden
    • geringere Unterhaltskosten

    Die Verantwortlichen der verschiedenen Korporationen und der Gemeinde zusammen mit der Projektgruppe FTTH sind vom Wartauer Netz überzeugt und arbeiten intensiv an der Vorbereitung für das «Wartauer Kabelnetz der Zukunft».